Heimatverein "Alter Krug"

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Museum Alter Krug
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15806 Zossen

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Für Nachfragen
Tel: 03377 300576

Schulmuseum Zossen
Kirchplatz 7
15806 Zossen

Donerstag:    10 bis 12 Uhr

Sonnabend:  10 bis 12 Uhr

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Am Sonnabend, den 11. Mai 2019, pünktlich um 7 Uhr begrüßte die Vorsitzende des Heimatvereins, Karola Andrae, die siebzehn Wanderfreunde und den diesjährigen Wanderführer Detlef Polley. Schwerpunkt der diesjährigen Wanderung waren die Standorte der ehemaligen Kriegsgefangenenlager an der Glienicker Straße und an der Rangsdorfer Straße als Außenlager des Stammlagers IIIA in Luckenwalde. Gedachten die Teilnehmer der Frühwanderung 2018 am Ende der Wanderung auf dem Friedhof in Schöneiche der in den letzten Kriegstagen gefallen deutschen Soldaten, vor allem der jungen Menschen als Volkssturmkämpfer, so stand dieses Mal das Schicksal der Kriegsgefangenen aus vielen Nationen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

2019 05 11 01Schon der Ausgangspunkt, die Brückenpfeiler, die einmal eine Brücke über die Glienicker Straße tragen sollten, war geschichtsträchtig. Hierüber sollte der Güterverkehrsaußenring verlaufen, damit Hitlers „Germania- Hauptstadt“ entlastet wird. Zunächst habe die Reichsbahn das Projekt selbst in Angriff genommen, so Polley, dann sei es wegen Materialengpässen erst einmal zum Stillstand gekommen, bis später Kriegsgefangene die Trasse weiterbauten.
Welche Kriegsgefangenen eingesetzt wurden hing auch vom Verlauf des Krieges ab, erst die polnischen Gefangenen,  später dann Belgier, Franzosen, nach dem Überfall auf die Sowjetunion Soldaten der Sowjetarmee und ab 1943, als Italien aus dem Bündnis mit Hitlerdeutschland ausschied, auch Italiener. Die Kriegsgefangenen wurden in verschiedene Kategorien eingeteilt, danach richtet sich dann auch der Bewachungsschlüssel. Am schlimmsten traf es die sowjetischen Kriegsgefangenen, für sie wurde die Haager Landkriegsordnung und die Genfer Konventionen nicht angewandt. So wies Detlef Polley gleich zu Beginn seiner Ausführungen darauf hin, dass im i. Weltkrieg 6,7 Prozent der Kriegsgefangen aus Russland in Kriegsgefangenenlagern umgekommen seien, im II. Weltkrieg dagegen 57,5 Prozent der sowjetischen Kriegsgefangenen. Dies hing offensichtlich auch mit der Rassenideologie der Faschisten zusammen, nach der die slawischen Untermenschen ausgerottet werden sollten.  Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) führte in den Lagern oft Razzien auf der such nach russischen Kommissaren, die dann sofort hinzurichten waren und Juden durch.

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Am Standort des sogenannten Wlassow-Lagers Luftbildaufnahme des Lagers

Im Kriegsgefangenenlager an der Glienicker Straße dagegen seien Kriegsgefangene der Sowjetarmee untergebracht gewesen, die unter  General Andrei Andrejewitsch Wlassow bereit waren gegen Stalin zu kämpfen. Sie wurden Teil der "Russkaja Oswoboditelnaja Armija" (ROA) – Russischen-Befreiungs-Armee. Sie genossen viele Privilegien, durfte sich auch frei in der Gemeinde bewegen. So kam es auch zu Liaisons mit einheimischen Frauen. Sie traten auch mit blasmusik vor der Gemeindevertretung zu verschiedenen Anlässen auf.

Aufgrund des gegenseitigen Auslieferungsabkommens von Jalta wurde General Wlassow mit vielen seiner Gefolgsleute, die nicht rechtzeitig untergetaucht waren, an die Sowjetunion verbracht und nach kurzem Prozess in der berüchtigten Lubljanka hingerichtet.

Auf den von Detlef Polley gezeigten Luftbildaufnahmen vom april 1945 ließen sich die Standorte der beiden Lager und der darauf befindlichen Baracken sehr genau bestimmen. Die Baracken wurden aus vorgefertigten Teilen zusammengesetzt, die im KZ Neuengamme und Litzmannstadt (Łódź), später zwischen Königs Wusterhausen und Senzig gefertigt wurden.

Entlang der Überreste des aufgeschütteten Bahndamms führte der Weg auch vorbei an dem vom Verfall bedrohtem ehemaligen Mitsubishi-Gelände, an der ehemaligen Notkirche von Dabendorf in der auch Hochzeiten gefeiert wurden und Konfirmationsunterricht stattfand. Am Abzweig zu den Fichtenkaveln wurde über das Leben und Werk des Zossener Malers Jürgen Melzer gesprochen der hier wohnt und auch sein Atelier hat.

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Verweis auf Mitsubishi-Hotel Gebäude im Hintergrund - ehem. Notkirche
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Luftbild Lager Rangsdorfer Straße  Detlef Polley über das Schicksal der Gefangenen

Nachdem auch der Standort des zweiten Kriegsgefangenenlagers aufgesucht war, führte der Weg zum Hof der Familie Kunze, die die Teilnehmer sehr herzlich empfing und für eventuell schlechtes Wetter sogar ein Festzelt aufgestellt hatte. Selbstgebackener Kuchen, der Duft von Kaffee, Bockwurst und Brötchen stärkten die Wanderer wieder.

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Über zehn Jahre forscht Detlef Polley zur Geschichte von Dabendorf. Er hat dabei auch viele der noch verbliebenen Zeitzeugen aus jener Zeit befragt und konnte so sehr detailreich vieles widergeben, was sonst verlorengegangen wäre. Danach befragt, woher denn sei Interesse für die Geschichte gekommen sei, antwortete er: In der vierten Klasse der Schule hat die Sekretärin des Schulleiters gefragt, wer denn gern bei der Erkundung von Dabendorf mitmachen würde. Ich war sofort dabei in der nun gegründeten Arbeitsgemeinschaft. Da hatte ich mir schon vorgenommen mich später noch einmal damit ernsthaft zu beschäftigen.

Für alle, die mehr zur Geschichte der Kriegsgefangenenlager wissen möchten, verwies Detlef Polley auf das Heimatkunde Museum in Luckenwalde. Dort befinden sich ein Gedenkraum und ein Archiv.

Als lesenswert empfahl Detlef Polley: Moritz Pfeiffer: Mein Großvater im Krieg 1939-1945: Erinnerung und Fakten im Vergleich.

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