Heimatverein "Alter Krug"

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Öffnungszeiten

Museum Alter Krug
Weinberge  15
15806 Zossen

Wegen Sanierung
bis auf Weiteres
geschlossen.

Für Nachfragen
Tel: 03377 300576

Schulmuseum Zossen
Kirchplatz 7
15806 Zossen

Donerstag:    10 bis 12 Uhr

Sonnabend:  10 bis 12 Uhr

Tel: 03377 334346

1892 00 00 Krug
Der "Alte Krug" 1892
bereitgestellt aus Archiv Dieter Frambach

In einer Vorgeschichte lassen sich nicht die einzelnen zum Teil dramatischen Geschichten widergeben, die sich im Kampf um die Rettung des „Alten Kruges“ abgespielt haben. Doch ohne Vorgeschichte auch kein Heimatverein „Alter Krug“. Deshalb hier der Versuch einen kurzen Zusammenfassung. Die darin enthalten Fakten sind dem Beitrag von Dieter Frambach: Der Alte Krug in den Weinbergen, in: Zossen ein Märkisches Städtchen, 1996 und Dieter Frambach: Der „Alte Krug“ in den Zossener Weinbergen im Heimatjahrbuch Teltow-Fläming 2010 entnommen.

Hier nun die Vorgeschichte

Es war einmal vor vielen vielen Jahren so um 1750, da errichtete der königliche Förster Schandken in den heutigen Weinbergen in Zossen ein Haus für sich und seine Familie. Aus Lehm und Holz entstand in fleißiger Arbeit ein Fachwerkhaus. Die Familie lebte darin glücklich und zufrieden. Und wenn sie nicht gestorben sind …

Doch sie sind gestorben und so wechselte das Haus mehrfach seine Besitzer. Mehrere dieser Besitzer betrieben in diesem Haus eine Schankwirtschaft. So mancher Humpen wird hier ausgetrunken worden sein und auch Wein und Hochprozentiges nicht verschmäht.

Bevor die Stadt Zossen das Grundstück übernahm, sind als letzte Doris Wolter und Werner Helmecke als Besitzer im Grundbuch eingetragen. 1982 verstarb im Alter von 82 Jahren die letzte Bewohnerin des Hauses Frau Elisabeth Helmecke.

Seit dem ist die Geschichte des Hauses vor allem mit einem Namen verbunden, Dieter Frambach. Sein Anwesen liegt direkt gegenüber dem Fachwerkhaus.

1982 00 00 Krug

 

1988 00 00 Krug Plane

Alter Krug 1982
Foto: Dieter Frambach
1988 konnte nur mit einer Plane
das Dach einigermaßen abgedeckt werden
Foto: Dieter Frambach

Wer das Haus um 1982 gesehen hat, hätte als Normalsterblicher gesagt: „Abreißen und zusammenschieben.“ Doch Enthusiasten begannen bereits im November 1982 mit den ersten Aufräumungsarbeiten. Von da an bis zur Fertigstellung 1995 immer dabei, Dieter Frambach und Frau Edith. Tatsächlich stand die Rettung des Gebäudes auch in der Folge mehrfach vor dem Aus. Viele hatten vor allem in der Wendezeit andere Sorgen, als sich um den Erhalt eines abrissreifen Gebäudes zu kümmern. Der erste Schritt zur Erhaltung wurde 1982 getan, als der Rat des Kreises einen Nutzungsvertrag mit den Erben abschloss. Jedoch auch zu DDR-Zeiten hätte sich eine Kreisverwaltung so ein Gebäude lieber vom Halse gehalten. Doch vor allem die Überzeugungskraft von Dieter Frambach, der Berliner Konservatorin Renate Breetzmann vom Institut für Denkmalpflege, später tätig im Brandenburgischen Institut für Denkmalpflege und Gerda Siekierka aus Zossen, hatte ausgereicht, um den Rat des Kreises zu bewegen, doch alles für den Erhalt des Hauses zu tun. In einer Beratung 1983 wurde dann festgestellt, dass dieses Haus doch denkmalschutzwürdig sei. Als Mitarbeiterin Kreises hatte dann Frau Heide Gallay den Krug unter ihren Fittichen.

Doch immer wieder stießen die Enthusiasten auf neue Schwierigkeiten, So war zu DDR-Zeiten Material für die Sanierung eines solchen

 

Gebäudes wie so vieles Mangelware. So dass oft „Privatbeschaffungen“ aushelfen mussten, um den weiteren Zerfall aufzuhalten. Bei allem Enthusiasmus, reifte bald die Erkenntnis, dass das Ganze nicht ohne Fachleute zu berwerkstelligen sei. 1988

1988 00 00 Altreetabfuhr

Mit LKW von Steinsetzmeister W. Freitag wurde
das Altreet abgefahren.
Foto: Dieter Frambach

waren dann alle Materialien für das Reetdach beschafft und Reetdachdecker Andreas Kirsch aus Neuruppin deckte das Dach. 1989 konnte der Architekt Dünkel aus Hönow bei Bernau gewonnen werden. 1991 drohte nochmals neues Ungemach. „Auf der Denkmalliste des Kreises -

‚Alter Krug‘ stark gefährdet“ überschrieb Gerda Siekerka am 9. Februar 1991 ihren Artikel in der Märkischen Allgemeinen Zeitung und Jutta Melzer titelte „Rettet den ‚Alten Krug‘ – Dieter Frambach bemüht sich um die Erhaltung des zweitältesten

1990 00 00 Krug abgestuetzt 1991 00 00 krug abgestuetzt
1990 Rückfront und Nordgiebel müssen abgestützt werden

Zossener Hauses. Der Artikel von Gerda Siekerka enthält eine knappe Darstellung der Geschichte des Kruges und beschreibt die

Vorgeschcihte 07 Vorgeschcihte 08
Vorgeschcihte 06
Zimmermann Dieter Briesnick, das Juwel auf der Baustelle, so Dieter Frambach
1991 08 00 Zimmermann Hagra

 

1991 00 00 Zimmerleute

Zimmerleute der Firma HAGRA GmbH und Helfer legen los

Räumlichkeiten – hier im Wortlaut. Was war geschehen? Der Alte war nun doch so alt geworden, dass er sterben wollte. Rückfront und Giebel drohten einzustürzen. Der Notdienst musste eingreifen und Rückfront und Giebel abstützen. Doch von da an gingen, mit Unterstützung des Landes und des Kreis, die Rekonstruktionsarbeiten zügig voran. Ab dem 3. September 1991 wurde mit dem systematischen Wiederaufbau begonnen. Projektierung und Bauüberwachung übernahm Architekt Dünkel, die Bauausführung die Ludwigsfelder Baufirma HAGRA GmbH. Täglich mit auf der Baustelle Dieter Frambach. Wer sich mit ihm unterhält, weiß, der kennt hier jeden Balken, jedes Fachwerkgefache, jede Ofenkachel. Über jeden einzelnen Schritt auf der Baustelle hat er genau Buch geführt.

Das Ziel klar war, der "Alte Krug" sollte eine Museums- und Begegnungsstätte werden. Mit den systematischen Baumaßnahmen entstand aber die Frage: Wie und mit wem soll denn das Ziel erreicht werden?

Diese Frage war der Anlass für die Gündung des Heimatvereins „Alter Krug“ Zossen e.V..

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Märkische Allgemeine vom 9. Februar 1992

Auf der Denkmalliste des Kreises

„Alter Krug“ stark gefährdet


Dieser „Alte Krug" in den Weinbergen hat bedeutenden kulturhistorischen Wert. Im früheren Bezirk Potsdam gibt es kein vergleichbares ländliches Wohnhaus dieses Typs aus der l. Hälfte des 18. Jahrhunderts, mit einem ähnlich hohen Anteil originaler Substanz. Laut Teltower Kreiskalender, Jahrgang 1930, bestand das Grundstück bereits vor der Einweisung der Kolonialisten im Jahre 1756.  Der Betrieb der Schankwirtschaft kann bis zum Jahre 1831 aktenkundig zurückverfolgt werden, und er wurde erst 1890 eingestellt. Es war der einzige Krug in den Weinbergen der früheren Kolonie bei Zossen oder der Mittenwalder Vorstadt (wie der Ortsteil lange Zeit hieß) und gehörte zu den ältesten Bürgerhäusern, die hier einzeln und verstreut lagen.

Die Errichtung des nun mehr als 300 Jahre alten Gebäudes fällt in die Zeit nach den Verwüstungen des 30jährigen Krieges. Das Handwerk lag am Boden, Baustoffe waren knapp geworden, besonders Holz. Das Gebäude wurde als eingeschossiger Fachwerkbau in ca. 2 Meter von der Straße errichtet. Der Stand der handwerklichen und technischen Entwicklung, aber auch die schlichte Schönheit und Zweckmäßigkeit dörflichen Bauens werden mit diesem Gebäude dargestellt. Es wurde nur aus heimischen Rohstoffen mit einfacher technologischer Bearbeitung errichtet. Verwendet wurden Feldsteine, Holz, Lehm, Stroh, Ziegel und Rohr.

Die offene Vorlaube vor dem Haus (auch eine Besonderheit), war stark geschädigt und wurde deshalb abgebaut. Ein Teil der Hölzer könnte für den Wiederaufbau verwendet werden. Im Haus gelangt man durch den Haupteingang in die kleine Diele, danach folgen die schwarze Küche, dann der hintere Dielenraum mit der Bodentreppe und dem hofseitigen Eingang. Von der vorderen Diele gelangt man rechts in den ehemaligen Schankraum und linker Hand von der Diele befand sich die Wohnstube und dahinter eine Kammer.

(Fortsetzung folgt) Gerda Siekierka

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