Heimatverein "Alter Krug" Zossen e.V.

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2020 11 18 Kl SchulbuchDas Schulmuseum Zossen hat zwar nach den letzten Coronaeinschränkungen für den Besucherverkehr wieder geschlossen. Dennoch gibt es einige Neuigkeiten aus dem Geschehen der letzten Monate zu berichten.
Unsere seit März laufende Ausstellung "Kinder- und Jugendbücher im Wandel der Zeiten" konnte bisher leider nur wenigen Besuchern präsentiert werden. Dennoch haben wir von vier Familien recht interessante Spenden von alten Kinderbüchern und anderen Schulbüchern erhalten.
Mit besonderer Freude haben wir ein altes Lesebuch aus dem Jahr 1841 entgegengenommen. Es trägt den Titel " Kleines Schulbuch für Anfänger im Lesen und Denken". Erscheinungsort Magdeburg, Im Verlage der Pansaischen Buchdruckerey, Neue Auflage.
In dem kleinen Büchlein sind auf 64 Seiten Buchstaben und Zahlen, Silbenbildungen, Denksprüche, Rätsel, Sprichwörter, kleine Erzählungen, Gebete, vier Seiten Rechnen und im Anhang 15 Seiten Kleiner Katechismus untergebracht.
Dem Heimatverein "Alter Krug" Zossen e. V. gelang es, unseren Bestand an vom Zossener Conrektor Fischer verfassten Büchern um ein weiteres Werk zu vergrößern. Es ist die "Kleine Briefschule für Kinder" mit 200 Aufgaben zum Briefschreiben nebst den dazu gehörigen ausgeführten Briefen über Stoffe aus dem Kreise der Kinder.

Es ist als 2. Auflage erschienen in der Schulbuchhandlung von Greßler, Langensalza 1867.
Hier nun ein kleiner geschichtlicher Exkurs über F. L. Fischer.
Im Heimatjahrbuch von Teltow-Fläming vom Jahr 2010 wird über Ferdinand Ludwig Fischer, Lehrer und Conrektor an der Zossener Stadtschule von 1833 bis 1879, berichtet.
Nachdem F. L. Fischer 1833 die neu eingerichtete Stelle eines vierten Lehrers an der Stadtschule Zossen im Alter von 24 Jahren angetreten hatte, wurde er bereits 1837 in das Amt des2020 11 18 Briefschule Conrektors berufen. Im Jahr 1834 wurden in Zossen 366 Kinder von 4 Lehrern unterrichtet, bald war eine 5. Klasse mit den Lernanfängern geschaffen worden. Noch im Jahr 1848 befanden sich im Schulhaus die Wohnungen der ersten drei Lehrer und es gab 5 Klassen. Unterrichtet wurde nach der "Hand-Fibel". Das Schulmuseum verfügt über dieses Buch von 1865 als 80. Auflage. Im Kirchenbuch von Zossen ist vermerkt, dass F. L. Fischer 1837 unter dem Register Aufgebote/Trauungen aufgeführt wurde und die Eheschließung in Prenzlau erfolgte. Seine einzige Tochter wurde 1839 in der Zossener Kirche getauft. Seine Frau verstarb im Februar 1843 am Scharlachfieber. So lebte er dann gemeinsam mit seiner Tochter, bis diese 1868 den Cantor Friedrich Ermel heiratete. Weitere Daten konnten wir nicht ermitteln und nehmen an, dass er nach seiner Pensionierung zur Tochter gezogen ist. Welcher Ort ist unbekannt. In der von Luis Günther verfassten Stadtchronik kann man lesen, dass er an die Stadt Zossen wiederholt ein Gesuch um Erhöhung seines Gehalts richtete. Dieses hatte folgenden Schlußsatz: "Gottes Segen über eine Stadt, an deren Spitze Vertreter stehen, die eine gedeihliche Zucht der Jugend durch ein gemessenes äußeres Wohlbefinden des Lehrers derselben zu befördern suchen." Erst im Jahr 1862 hatte er damit Erfolg und erhielt eine Zulage von 50 Talern jährlich. In seinen beiden Büchern zur Aufsatzlehre kann man viele Anregungen zum Verfassen von Beschreibungen und Briefen entnehmen und so auch Beschreibungen der Stadt Zossen aus dieser Zeit. Seine Publikationen widmen sich aber auch der Preußischen Geschichte mit methodischen Anleitungen, religiösen Schriften und er gab auch ein "Kleines Schul-Choralbuch" für 10 Silbergroschen für ärmere Kinder heraus. Wir haben jetzt 9 Bücher von ihm im Museum, alle in der Schulbuchhandlung Langensalza erschienen.

Text und Fotos: Gudrun Haase

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