Vorgeschichte des "Alten Kruges"
Der Kampf um die Erhaltung des Gebäudes
mit Fotos aus dem Archiv von Dieter Frambach
Der Versuch einer kurzen Zusammenfassung
In einer Vorgeschichte lassen sich nicht alle einzelnen, zum Teil dramatischen, Geschichten widergeben, die sich im Kampf um die Rettung des „Alten Kruges“ abgespielt haben. Doch ohne Vorgeschichte auch kein Heimatverein „Alter Krug“.
Deshalb hier der Versuch einer kurzen Zusammenfassung. Die enthaltenen Fakten sind dem Beitragen von Dieter Frambach entnommen:
- Der Alte Krug in den Weinbergen in Zossen, ein Märkisches Städtchen - 1996
- Der „Alte Krug“ in den Zossener Weinbergen - Heimatjahrbuch Teltow-Fläming 2010
Hier nun die Vorgeschichte
Es war einmal vor vielen vielen Jahren so um 1750, da errichtete der königliche Förster Schandken in den heutigen Weinbergen in Zossen ein Haus für sich und seine Familie. Aus Lehm und Holz entstand in fleißiger Arbeit ein Fachwerkhaus. Die Familie lebte darin glücklich und zufrieden. Und wenn sie nicht gestorben sind …
Doch sie sind gestorben und so wechselte das Haus mehrfach seine Besitzer. Mehrere dieser Besitzer betrieben in diesem Haus eine Schankwirtschaft. So mancher Humpen wird hier ausgetrunken worden sein und auch Wein und Hochprozentiges wurden bestimmt nicht verschmäht. Bevor die Stadt Zossen das Grundstück übernahm, sind als letzte Besitzer Doris Wolter und Werner Helmecke im Grundbuch eingetragen. 1982 verstarb im Alter von 82 Jahren die letzte Bewohnerin des Hauses Frau Elisabeth Helmecke.
Dieter Frambach und sein Fotoarchiv
Seitdem ist die Geschichte des Hauses vor allem mit einem Namen verbunden, Dieter Frambach mit Fotos aus seinem Archiv. Sein Anwesen liegt direkt gegenüber dem Fachwerkhaus.
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Ansicht 1982 -
Ansicht 1988 - das Dach nur einigermaßen
abgedeckt mit einer Plane -
Ansicht 1988 - mit dem LKW von Steinsetzmeister
W. Freitag wurde das Altreet abgefahren. -
Dieter Frambach sichert die Kacheln -
Ansicht 1990/1991 - Rückfront und Nordgiebel
müssen abgestützt werden -
Ansicht 1990/1991 - Rückfront und Nordgiebel
müssen abgestützt werden
Die Rettung des Gebäudes ab 1982
Wer das Haus um 1982 gesehen hat, hätte als Normalsterblicher gesagt: „abreißen und zusammenschieben". Doch Enthusiasten begannen bereits im November 1982 mit den ersten Aufräumungsarbeiten. Von da an bis zur Fertigstellung 1995 immer dabei, Dieter Frambach und Frau Edith. Tatsächlich stand die Rettung des Gebäudes auch in der Folge mehrfach vor dem Aus. Viele hatten vor allem in der Wendezeit andere Sorgen, als sich um den Erhalt eines abrissreifen Gebäudes zu kümmern. Der erste Schritt zur Erhaltung wurde 1982 getan, als der Rat des Kreises einen Nutzungsvertrag mit den Erben abschloss.
Jedoch auch zu DDR-Zeiten hätte sich eine Kreisverwaltung so ein Gebäude lieber vom Halse gehalten. Doch vor allem die Überzeugungskraft von Dieter Frambach, der Berliner Konservatorin Renate Breetzmann vom Institut für Denkmalpflege, später tätig im Brandenburgischen Institut für Denkmalpflege und Gerda Siekierka aus Zossen, hatte ausgereicht, um den Rat des Kreises zu bewegen, doch alles für den Erhalt des Hauses zu tun. In einer Beratung 1983 wurde festgestellt, dass dieses Haus doch denkmalschutzwürdig sei. Als Mitarbeiterin Kreises hatte dann Frau Heide Gallay den Krug unter ihren Fittichen.
Doch immer wieder stießen die Enthusiasten auf neue Schwierigkeiten. So war zu DDR-Zeiten Material für die Sanierung eines solchen Gebäudes, wie so vieles, Mangelware, so dass oft „Privatbeschaffungen“ aushelfen mussten, um den weiteren Zerfall aufzuhalten. Bei allem Enthusiasmus, reifte bald die Erkenntnis, dass das Ganze nicht ohne Fachleute zu bewerkstelligen sei.
1988 waren dann alle Materialien für das Reetdach beschafft und Reetdachdecker Andreas Kirsch aus Neuruppin deckte das Dach. 1989 konnte der Architekt Dünkel aus Hönow bei Bernau gewonnen werden. 1991 drohte nochmals neues Ungemach. „Auf der Denkmalliste des Kreises - ‚Alter Krug‘ stark gefährdet“ überschrieb Gerda Siekerka am 9. Februar 1991 ihren Artikel in der Märkischen Allgemeinen Zeitung und Jutta Melzer titelte „Rettet den ‚Alten Krug‘ und Dieter Frambach bemüht sich um die Erhaltung des zweitältesten Zossener Hauses. Der Artikel von Gerda Siekerka enthält eine knappe Darstellung der Geschichte des Kruges und beschreibt die Räumlichkeiten des Zossener Hauses. – hier im Wortlaut (PDF)
systematischer Wiederaufbau ab 1991 begonnen
Was war geschehen? Der Alte war nun doch so alt geworden und Rückfront und Giebel drohten einzustürzen. Der Notdienst musste eingreifen und Rückfront und Giebel abstützen. Von da an gingen, mit Unterstützung des Landes und des Kreis, die Rekonstruktionsarbeiten zügig voran. Ab dem 3. September 1991 wurde mit dem systematischen Wiederaufbau begonnen. Projektierung und Bauüberwachung übernahm Architekt Dünkel, die Bauausführung die Ludwigsfelder Baufirma HAGRA GmbH. Täglich mit auf der Baustelle Dieter Frambach. Wer sich mit ihm unterhält, weiß, der kennt hier jeden Balken, jedes Fachwerkgefache, jede Ofenkachel. Über jeden einzelnen Schritt auf der Baustelle hat er genau Buch geführt.
Das Ziel: eine Museums- und Begegnungsstätte
Das Ziel klar war, der "Alte Krug" sollte eine Museums- und Begegnungsstätte werden. Mit den systematischen Baumaßnahmen entstand aber die Frage: Wie und mit wem soll denn das Ziel erreicht werden?
Diese Frage war der Anlass für die Gründung des Heimatvereins „Alter Krug“ Zossen e.V..
Gründung des Vereins: 17. Oktober 1992
denkmalgerechte Rekonstruktion: 1992-1994
erneute Grundsanierung: 2019 bis März 2022
weitere ausführliche Schilderungen, sowie altes Bildmaterial aus dieser Aufbauzeit und der Rettung (Chronik):
Teil 1: Die Rettung des "Alten Krugs" Der Frambachsche-Blick. So könnte man dieses Foto nennen, das Dieter Frambach im Oktober 1994 von seinem Wohnhaus aus fotografiert hat. Das Foto zeigt den fertig denkmalgerecht sanierten „Alten Krug“ in den Zossener Weinbergen. Aus Sicht der Denkmalpflege ist es ein besonders „wertvolles Beispiel barocker Volksarchitektur“. Dieses ländliche Wohnhaus wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet und gilt in unserer Region als „einziges Gebäude dieses Typs mit solch einem hohen Anteil originaler Substanz“. Es grüßt uns also in jedem mit Bedacht erhaltenen Balken ...
weiterlesen ...Teil 2: Die Rettung des "Alten Krugs" Der Zimmerer setzt als Letztes das Stechbeitel auf dem Eingangsbalken des „Alten Krugs“ an, hebt den Holz-Klüpfel und holt mehrmals zum gezielten Schlag aus. Er schlägt die Buchstaben J.H.S. A.M.V. I.M.W. Z.M. und dann Anno 1... (?) tief in das Holz ein. Es sind die letzten handwerklichen Schläge, die um 1750 zur Weihe des neuen Hauses klar erklingen. Gottes Segen dem Haus und dessen Bewohner. Die ersten sechs Buchstaben bedeuten „Jesus - Heiland - Seligmacher. Sei gegrüßt, Maria!“. Die Jahreszahl ist im Dezember 1991 nicht mehr zu erkennen.
weiterlesen ...Teil 3: Die Rettung des "Alten Krugs" Drei Jahre gingen ins Land. Inzwischen ist Frau Galley im Kulturamt Zossen tätig und hat die denkmalpflegerischen Fäden in der Hand. Sie versucht händeringend in der sozialistischen Planwirtschaft Reet und Bindedraht zu beschaffen, was ein schwieriges Unterfangen war. Dieter Frambach versucht in dieser Zeit vergeblich, mit einer Plane das Reetdach notdürftig zu schließen. Frambach beschreibt die Ereignisse um 1988 so: „Endlich war es soweit. Aus Kolberg bei Prieros wurden 2500 Bund Reet, aus Potsdam Bindedraht und aus Halbe Rundhölzer für die Dachinstandsetzung beschafft.
weiterlesen ...Teil 4: Die Rettung des "Alten Krugs" Im 4. Teil zur Rettung des „Alten Krugs“ möchte ich auf die historische Bauweise eingehen. Aber wer kann es denn verständlicher erklären als der Planer selbst? Hier also erstmalig der spannend zu lesende und ungekürzte Auszug mit den „Hinweisen zur Bauweise“ (März 1990) aus dem „bautechnischen Bericht zum Bestand und zum vorgefundenen Zustand einschließlich holzschutztechnischem Untersuchungsbericht und Erläuterungen zur Instandsetzung mit GAB-Nachweis für das Objekt "Alter Krug" ...
weiterlesen ...Teil 5: Die Rettung des "Alten Krugs" Der im Beitrag zuvor auszugsweise wiedergegebene bautechnische Bericht, den der Architekt Werner Dünkel im Jahre 1990 verfasst hatte, ist also das eigentliche planerische Fundament, auf dem die gesamte spätere Rekonstruktion des „Alten Kruges“ beruht! Der 12.08.1991 ist in den Protokollen als Baubeginn dokumentiert und ab da begann die denkmalgerechte handwerkliche Instandsetzung des historischen Fachwerkhauses „Alter Krug“ in Zossen. Wobei erst am 3.09. 1991 der „Alte Krug“ offiziell unter Denkmalschutz gestellt wurde.
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