Heimatverein "Alter Krug" Zossen e.V.

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20200423 113857bDer Heimatverein erhielt aus den Händen des ehemaligen Leiters der ZBE ACZ Zossen die Chronik des Betriebes. Die Abkürzungen ZBE und ACZ sind vielleicht jener Generation, die in der DDR gearbeitet und gelebt hat, noch ein Begriff. Sie würden sicherlich in Vergessenheit geraten, wenn sie nicht als Teil der DDR-Geschichte, aber auch der Heimatgeschichte vor Ort, vor allem in den landwirtschaftlich geprägten Gebieten, verstanden und auch aufbereitet würden.
Die Agrochemischen Zentren (ACZ) waren Zwischenbetriebliche Einrichtungen (ZBE) die für mehrere Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG), Volkseigenen Gütern (VEG) und Forstbetrieben die Lagerung und Ausbringung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln übernahmen. Übrigens die Abkürzungen für die Strukturen der landwirtschaftlichen Produktion enthielten meist drei Buchstaben, so unter anderem LIW, KFL, KAP, LTA, ZGE, GPG, LVG.
Dem Heimatverein liegt jetzt die Chronik des ACZ – Dabendorf vor. Daraus wird deutlich, dass das ACZ Dabendorf maßgeblich das gesamte gesellschaftliche Leben im Kreis Zossen mitprägte. Auf 124 Seiten ist minutiös die Vorgeschichte des ACZ und seine Entwicklung in Wort und Bild bis 1985 festgehalten.

Über die Wortwahl wird der Leser manches Mal schmunzeln, jedoch auch sie widerspiegelt einen Teil des Zeitgeistes.
„Die K A N T I N E
Ohne Kantine kommen einige unserer Werktätigen nicht mehr aus.
Sie steht zur Versorgung des leiblichen Wohl’s, von 8-13 und 14-17 Uhr allen Angehörigen des Betriebes zur Verfügung.
Es werden täglich ca. 750 belegte Brötchen, 90 l Kaffee und 200-300 Portionen Mittagessen verkauft.
Sonderwünsche für Kollegen, die auswärts arbeiten, werden prompt und vorrangig erledigt.“

20200423 115102bNach der Chronik geht die Geburtsstunde des ACZ auf einen Beschluss mehrere LPG, einer Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG), einem Landwirtschaftlichen Versuchsgut (LVG), und einem VEG vom 20.03.1970 zurück. Der Beschluss sah vor, in Dabendorf ein zentrales Dünger- und Pflanzenschutzmittellager zu errichten. So entstand 1971 eine Düngermitteltraglufthalle mit 10.000 t Lagerkapazität.

Das ACZ übernahm für die umliegenden Betriebe auch logistische Aufgaben für die Entladung von Gütern aller Art von der Reichsbahn und den Transport zum Endverbraucher. Das ACZ betrieb in Glienick auch eine eigene Kiesgrube, führte Agrarflüge durch, unterhielt eine eigene Instandhaltungsabteilung für sämtliche Fahrzeuge und Geräte. Die Mitarbeiter der Abteilung Bau bauten u.a. Stallanlagen, Siloanlagen für die LPG. Das ACZ gestaltete wesentlich die Kreisernte- und Dorffeste mit, setzte seine Technik auch bei Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen der Städte und Gemeinden ein.
Für seine Mitarbeiter baute das ACZ in Bresewitz, einem Fischerdorf an der Ostsee, ein eigenes Ferienheim „Boddenblick“. Bemerkenswert dabei ist auch die Einbeziehung ortsansässiger Künstler wie Jürgen Melzer, Ursula Wendorf Weidt und weiterer in die Innengestaltung des Ferienhauses. 1984 kam das Haus „Enzian“ in Thalwenden als Kurhaus in Thüringen hinzu.
Die vorliegende Chronik gibt also einen Einblick in die landwirtschaftliche Produktionsorganisation im Kreis Zossen und in das gesellschaftliche Engagement eines Agrarbetriebes.
Nach der Wende kaufte der ehemalige Leiter des ACZ den Betrieb auf und teilte ihn in mehrere Unternehmen auf. Die Geschichte nach der Wende ist eine Geschichte von Höhen und Tiefen, die ebenfalls nicht in Vergessenheit geraten sollte.

 

Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke

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