Heimatverein "Alter Krug" Zossen e.V.

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20210821 081833An diesem Sonnabendmorgen trafen sich Frühaufsteher zur vom Heimatforscher Gerhard Glau geführten Wanderung durch den alten Ortskern von Glienick.

19 Interessierte waren der Einladung des Heimatvereins zur Frühwanderung 2021 gefolgt. „Eigentlich sollte diese Wanderung wie üblich im Mai stattfinden, doch Corona hat das vermasselt“, so Vereinsvorsitzende Karola Andrae in ihren Begrüßungsworten. Sie erinnerte daran, dass die Frühwanderungen einst als Vogel-stimmenwanderungen bereits um 4 Uhr begannen, so früh sei also 8 Uhr jetzt gar nicht.

Zu Beginn führte Gerhard Glau einiges zur Geschichte des Dorfes Glienick aus. Das Dorf liege auf der Glienicker Platte, einer Landschaftserhebung. Der Ort Glienick sei der einzige Ort auf dieser Erhebung. In einem Bistumsmatrikel sei als Ersterwähnung des Ortes Glienick 1346 angegeben, jedoch die Erstbesiedlung sei vermutlich bereits 150 Jahre früher erfolgt. 18 Hüfner und 4 Kossäten hätten hier gelebt. Zuvor hätten hier sicherlich auch Slawen gesiedelt, jedoch haben Archäologen bisher keine Reste einer Slawensiedlung gefunden. Darauf deute der Ortsname hin, glina = Lehm. Aus Lehm, der unmittelbar vor Ort vorhanden war, seien die Siedlungshäuser gebaut worden. Angesiedelt, so Glau, hätten sich hier Siedler aus dem Niederrhein, Holland und Flandern. Sie erhielten jeder eine Hufe Land. Zuerst seien die Stallgebäude mit einem vorübergehenden Wohnteil und dann das eigentliche Wohnhaus errichtet worden. An den ehemaligen Stallgebäuden finden sich heute noch die Initialen der einstigen Besitzer. Diese Gebäude sind heute zumeist für Wohnzwecke umgebaut.

 

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Das älteste Haus Eines der Stallhäuser
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Gerhard Glau mit Foto zu einem der Häuser Kossätenhaus

Was dann aus den einzelnen Häusern und Gehöften bis heute geworden ist, darüber informierte Glau vor jeden dieser Häuser. So erfuhren die Teilnehmer wo der Dorfschulze sein Domizil hatte, wo sich die Bauern zum Umtrunk trafen, heutige Hausnummer 31, wo Berliner Jäger ihr Quartier hatten, dass je zwei der vier Kossäten an einem der beiden Ortsränder des Straßendorfes gelebt hätten.

Zu fast jedem Haus hatte Glau auch ein Foto aus den 20iger und 30iger Jahren dabei, so dass die Teilnehmer selbst einen Vergleich alt und neu vornehmen konnten. Auffällig dabei, von den Fassaden sind Ornamente und andere Verzierungen einer glatten Fassade gewichen, die Eingangstreppen beseitigt wurden und eigentlich unansehnliche Anbauten das Bild stören. Die Anbauten, so Glau, seien zu DDR-Zeiten aus der Wohnungsnot herausgeboren worden.

Glau wusste aber auch über Schicksale zu berichten, die sich hinter den Fassaden der Häuser abgespielt haben. Ein Bauer habe zu viel getrunken und sei dann in einem nahegelegenen Gewässer ertrunken und habe Frau und fünf Kinder hinterlassen. Ein anderer habe in Jüterbog Haus und Hof verzockt. Zwischen 1953 und 1956 hätten sich die Lebensumstände der Einzelbauern in der DDR derart verschlechtert, dass mehrere von ihnen die DDR gen Westen verlassen hätten und Haus und Hof und zum Teil auch Familienangehörige zurückließen.

So haben in den Morgenstunden an diesem Sonnabend selbst Glienicker so manch Neues über ihr altes Dorf und seine ehemaligen Bewohner erfahren und alle anderen können jetzt selbst kundig Auskunft über Leben und Arbeiten in einem märkischen Dorf geben.

Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke

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